Radunfall Wichmannsdorf

OZ Artikel Urlaub endete mit schwerem Rad-Unfall vom 25.08.2006

Ein elfjähriger Junge verletzte sich bei einem Sturz schwer auf der unbefestigten Straße zwischen Kühlungsborn und .
Wichmannsdorf Schwerer Kieferbruch, ein Loch in der Zunge, vierstündige Operation und drei Tage auf der Intensivstation der Rostocker Uni-Klinik: Für Gerrit de Haan endete der gemeinsame Urlaub an der Ostsee mit Mutter und Bruder sehr schmerzhaft. Eine weitere Operation – die Einpflanzung eines neuen Stücks Kieferknochen – steht noch an, wenn er wieder zurück in den Niederlanden ist. Morgen werden de Haans abreisen.

Der elfjährige Junge stürzte am Montagnachmittag beim Radfahren. Ein schlimmer Unfall, aber auch einer, der jedem anderen Kind oder auch Gerrit jederzeit überall passieren könnte.

Das Besondere daran: Der Unfall passierte auf der unbefestigten Schotterstraße zwischen Wichmannsdorf und Kühlungsborn. Bevor dort vorgestern geschoben wurde, gab es viele tief ausgefahrene Schlaglöcher, teilweise gefüllt mit großen, spitzen Schottersteinen.

Eine Gruppe Wichmannsdorfer um Jürgen Wienke kämpft schon seit Jahren um einen Ausbau dieser mit vier Kilometern kürzesten Verbindung zwischen Wichmannsdorf und dem Ostseebad. Der Weg wird von vielen Wanderern und Radtouristen stark benutzt, etliche Wichmannsdorfer arbeiten in Kühlungsborn und ihre Kinder radeln dorthin zu ihren Schulfreunden: Die Wichmannsdorfer um Jürgen Wienke haben gleich mehrere nachvollziehbare Argumente für den Ausbau der Straße.

Der schlimme Unfall lässt sie jetzt wieder aktiv werden: „Musste es erst so weit kommen? Der Weg in die Kühlung ist ein Teil der touristischen Infrastruktur unserer Region. Es muss jetzt endlich gehandelt werden“, fordert Jürgen Wienke und sieht als Adressaten vor allem Kröpelins Bürgermeister Paul Schlutow. Wichmannsdorf ist ein Ortsteil von Kröpelin und Foekje de Haan und ihre beiden Kinder sind seine Gäste.

„Jeder Unfall, der einem Kind passiert, ist schlimm und einer zu viel. Aber in diesem Fall muss man wohl zuerst fragen, ob die Mutter ihrer Eigenverantwortung und vor allem der Aufsichtspflicht gerecht wurde“, weist Schlutow eine Verantwortung der Kommune für den Unfall zurück.

Der Stand der Dinge sei der gleiche, seitdem sich Anfang März dieses Jahres sogar der Petitionsausschuss des Landtages mit dem maroden Weg beschäftigte: „Wichmannsdorf ist bereits mit zwei anderen, gut ausgebauten ländlichen Wegen an das Straßennetz angebunden. In die Infrastruktur des Ortes wurden nach der Wende insgesamt 538 000 Euro investiert – viel mehr, als in jedem anderen unserer 16 dörflichen Ortsteile. Vor 2008 wird der Straßenausbau nach Kühlungsborn nicht kommen. Was auch damit zusammenhängt, dass vorher für dieses Vorhaben Fördermittel nur schwer zu erlangen sind, ohne die nicht gebaut werden kann. Und jetzt sind erst einmal andere dörfliche Ortsteile dran, in denen es noch viel Nachholbedarf gibt“, so Schlutow.

Einen Widerspruch, der beim Befahren der Piste sofort ins Auge fällt, kann jedoch auch er nicht ausräumen. Schlutow betont: „Die Straße ist nicht als Radweg gewidmet.“ Das ist die formalrechtliche Seite. Aber Wegweiser, die 2004, allerdings ohne Zutun der Kommune Kröpelin, im Zusammenhang mit dem Deutschen Wandertag dort aufgestellt wurden, laden Radtouristen geradezu ein, weisen gleich mehrere Radwanderrouten über diese Straße aus.

Vielleicht wird der Fall noch Anwälte und Gerichte beschäftigen. Denn Foekje de Haan erwägt eine Schadenersatzklage gegen die Stadt Kröpelin.

LUTZ WERNER

Dies ist natürlich ein trauriger Fall und es bleibt zu hoffen das Gerrit de Haan ohne Probleme wieder gesund wird. Die Aussage mit Eigenverantwortung und der Aufsichtspflicht, sofern Sie Herr Schlutow überhaupt so getroffen hat, finde ich unmöglich. Die Belastung für die Mutter ist sowieso sehr groß und dann solche Aussagen. Man kann auch ein Kind nicht immer beeinflussen, in Watte packen und manche Gefahren sind auch so nicht ersichtlich.
Was ich eigentlich verwerflich finde, wir befinden uns hier in einer Urlaubsregion, dann dürfen solche Wege keinesfalls als Rad- bzw Wanderwege gekennzeichnet sein, damit sowas nicht auftritt. Die Auszeichnung war der Kommune bekannt, dann hätte Sie sie entfernen müssen.
Eine Sanierung des Wege bzw Ausbau als befestigte Straße, lehne ich auch erstmal aus Kostengründen ab, der Ortsteil Wichmannsdorf ist mit 2 ausgebauten Anbindungen gut zu erreichen, da gibt es Ortsteile wo dies nicht er Fall sei. Ausserdem muss man nicht, bloss weil jemand aus Bequemlichkeit den kürzesten Weg nutzen möchte, ihn auch gleich bauen. Ich lasse mir ja nicht auch gleich eine Straße zu meinen Eltern bauen, bloss weil ich sonst durch die ganze Stadt muss.
Es bleibt nur zu hoffen, das es Gerrit de Haan bald wieder gut geht.

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Der Artikel wurde geschrieben von:

Thomas Gutteck

Betreiber und Autor der meisten Artikel auf Kroepeliner.de. Lebt seit über 36 Jahren in Kröpelin, inzwischen als Hauptamtsleiter in der Stadtverwaltung Kröpelin tätig. Mein Ziel ist es gemeinsam Kröpelin weiter zu entwickeln.

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