Strandkörbe aus Kröpelin – Geschichtlich

OZ Artikel „Moderne Strandkörbe aus Kröpelin“ vom 07.06.06

Wenn Kröpelin in der Vergangenheit vor allem als Schusterstadt bekannt geworden ist , so war diese Stadt doch noch mit einem anderen bedeutenden Wirtschaftszweig verbunden: der Herstellung von Korbwaren.

Kröpelin Der Geburtsort des Strandkorbs war 1883 in Rostock, und der Erfinder hieß Hof-Korbmacher Wilhelm Bartelmann. Er hatte mit seiner Neuheit den Nerv der Zeit getroffen. Die stark wachsende Zahl der Badegäste suchte bei dem ständigen Wind an der See einen sicheren Schutz und fand diesen im Strandkorb. Auch in Brunshaupten und Arendsee (später zu Kühlungsborn vereint) gehörten diese Strandkörbe kurz vor 1900 zum Alltagsbild. Einer der ständigen Sommergäste war Berthold Lawrenz aus Kröpelin. Er besaß in dem mecklenburgischen Städtchen einen gut gehenden Eisenhandel und nutzte die Gunst der Stunde, 1897 eine Korbwarenfabrik in Kröpelin zu gründen. Ganz wichtig war natürlich die um 1895 erbaute neue Chaussee von Kröpelin nach dem Fischerdorf Brunshaupten, das sich dadurch rasch zu einem der bekanntesten Seebäder entwickelte. Diese Verbindung durch die Kühlung, durch das tief zerschnittene und bewaldete Hügelland, gehört zu den schönsten Straßen in dieser Region. Hilfe erhielt Lawrenz von einem ausgebildeten Korbmacher namens Franz Schaft, der einst bei Bartelmann gearbeitet hatte, aber von diesem entlassen worden war, weil er als Mitglied des Holzarbeiterverbandes (Vorgänger der Gewerkschaft) an einer Feier zum 1. Mai teilgenommen hatte.

Lawrenz hatte sich als häufiger Strandkorbbenutzer Gedanken gemacht, wie er den bisher wenig bequemen Korb komfortabler gestalten könnte und zusammen mit Franz Schaft wurde der Liegekorb kreiert und natürlich sofort durch Patent und Muster geschützt. Die Nachfrage wuchs von Sommer zu Sommer. Berthold Lawrenz beschäftigte bald in seinem Unternehmen über 100 Arbeiter. Zigtausende von Strandliegekörben sind von Kröpelin in fast alle deutschen Seebäder gelangt. Auch in den großen Seebädern in Holland, Dänemark und anderen Ländern fanden die Kröpeliner Erzeugnisse guten Absatz. Außer dem Verkauf seiner Fabrikate, der aus Weiden geflochtenen Körbe, die immer weiter verbessert wurden, führte Lawrenz die bereits in Brunshaupten begonnene Vermietung der Strandkörbe unter eigener Regie weiter. Welchen Umfang dieser Zweig seines Geschäftes einnahm, mögen folgenden Zahlen verdeutlichen: In über 30 Seebädern waren 150 bis 200 Menschen im Sommer damit beschäftigt, Tausende von Liegekörben zu vermieten und instand zu halten.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges waren Zeit und Geld knapper geworden für den Sommerurlaub. So geriet die Kröpeliner Korbwarenfabrik in Schwierigkeiten und musste schließen. Franz Schaft aber, der einstige Angestellte bei Lawrenz, arbeitete bis zu seinem Tode 1959 als Korbmacher in Kröpelin.

PETER GERDS

Ich finde dies interessant zu lesen. So einiges aus scheint uns immer noch verborgen und wartet drauf neu entdeckt zu werden. Grade solche historischen Fakten können nach der veröffentlichung sich positiv auf die Wirtschaft bzw Wirtschaftsansiedlung usw. auswirken. Das beste Beispiel hierfür haben wir ja gerade in Wismar erlebt, wo eigentlich eines der unwirtschaftlichesten Häuser des angeschlagenen Karstadt Konzerns nicht verkauft wurde, weil es historisch gesehen das Stammhaus ist.

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Der Artikel wurde geschrieben von:

Thomas Gutteck

Betreiber und Autor der meisten Artikel auf Kroepeliner.de. Lebt seit über 36 Jahren in Kröpelin, inzwischen als Hauptamtsleiter in der Stadtverwaltung Kröpelin tätig. Mein Ziel ist es gemeinsam Kröpelin weiter zu entwickeln.

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