Kröpelin- Brandgeschichten

Eine so guter geschichtlicher Artikel in der OZ, das ich hier komplett einbinden möchte.

Herzogs Anordnung nicht befolgt

Kröpelin Herzog Ulrich schrieb am 28. April 1581 aus Doberan einen Brief nach Schwerin an Amtshauptmann Gottschalk Barner und forderte: „Du sollest dich unverzüglich nach Kröpelin verfügen und den Leuten für Thore außerhalb des Städtleins Stellen weisen.“ Die Wohnhäuser sollten mit Schindeldach belegt werden. Wie spätere Brände zeigten, waren die herzoglichen Anordnungen nicht befolgt worden. Nach wie vor standen Scheunen und Wohnhäuser mit Stroh auf den Dächern dicht beieinander. Im Laufe des 17. Jahrhunderts waren die Bürger keiner größeren Feuersgefahr ausgesetzt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde nur das Sankt Georgshospital von marodierenden Truppen in Brand gesetzt. Zudem gab es 1667 und 1689 zwei kleinere Brände. Das war ein
halbes Jahrhundert später anders. Man schrieb den 21. Juni 1738, es war ein stürmischer Tag. Sommerstaub wirbelte in die Lüfte.

Die Stadt hatte die Einquartierung einer Truppe von Musketieren aus Holstein. Ein Musketier befand sich auf dem Hof des Schuhmachers Becker und hantierte mit seinem Gewehr, als er auf dem First der Scheune einen Schwarm Spatzen entdeckte. Er legte seine Muskete an und kurz darauf stand das Strohdach in Flammen. Vom Sturm angefacht sprangen die Flammen von Dach zu Dach, die ganze Rostocker Straße lang und ebenso in die kleinen Gassen. Das Rathaus und alle Häuser am Markt brannten lichterloh. Das Flammenmeer wälzte sich wie eine Feuerwelle durch den Ort. Innerhalb von zwei Stunden waren 92 Wohnhäuser abgebrannt, außerdem Nebengebäude wie Scheunen, Ställe und Werkstätten. Dass nicht alles vernichtet wurde, war nur mit der Hilfe beherzter Neubukower unter Leitung des Amtsmanns von Bremen zu verdanken. Der Erhalt der Kirche und von 14 Häusern war mit das Verdienst der Nachbarn.

Im Land gab es echte Solidarität. In Kirchen wurden die Kollekten für den Wiederaufbau von Kröpelin bestimmt. Herzog Christian Ludwig wies an, 2000 Eichen und etliche Fichten bereitzustellen, selbst in Lübeck und Hamburg sammelte man für die gebeutelten Kröpeliner. Nach und nach erholte sich die Stadt von der Katastrophe.

PETER GERDS

OZ vom Mittwoch, 07. März 2007

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Der Artikel wurde geschrieben von:

Thomas Gutteck

Betreiber und Autor der meisten Artikel auf Kroepeliner.de. Lebt seit über 36 Jahren in Kröpelin, inzwischen als Hauptamtsleiter in der Stadtverwaltung Kröpelin tätig. Mein Ziel ist es gemeinsam Kröpelin weiter zu entwickeln.

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